Methodik
Diese Seite legt offen, wie die Batterie aufgebaut ist, wie gerechnet wird und woher die Normwerte stammen. Wer ein Testergebnis einordnen will, muss das wissen können.
Theoretischer Rahmen
Cattell-Horn-Carroll (CHC) — das Modell, auf dem auch die gängigen klinischen Verfahren beruhen.
Das CHC-Modell beschreibt kognitive Fähigkeit auf drei Ebenen: einem allgemeinen Faktor, mehreren breiten Fähigkeitsbereichen und zahlreichen engen Fertigkeiten. Dieses Verfahren erfasst fünf breite Bereiche und bildet daraus einen Gesamtwert.
Die Aufteilung ist nicht kosmetisch. Die fünf Bereiche korrelieren untereinander nur mittelhoch, lassen sich also nicht gegeneinander austauschen. Ein Gesamtwert allein verdeckt, dass dieselbe Zahl aus sehr verschiedenen Profilen entstehen kann — weshalb der Befund stets beides ausweist.
Sprachverständnis
SVErfasst erworbenes sprachliches Wissen und die Fähigkeit, Bedeutungsbeziehungen zwischen Begriffen zu erkennen und sprachlich zu schlussfolgern. Dieser Bereich wächst über die Lebensspanne mit Bildung und Lesepraxis.
- Verbale Analogien — Erfassen von Bedeutungsbeziehungen zwischen Begriffen. Kristalline Intelligenz (Gc) -- Sprachverständnis
- Wortschatz — Umfang und Präzision des aktiven Begriffswissens. Kristalline Intelligenz (Gc) -- lexikalisches Wissen
Fluides Schlussfolgern
FSErfasst das Lösen neuer Probleme ohne Rückgriff auf gelerntes Wissen: Regeln in unbekanntem Material erkennen, prüfen und übertragen. Dieser Bereich gilt als kulturell am wenigsten gebunden.
- Figurale Matrizen — Erkennen von Regeln in abstrakten Mustern und deren Anwendung auf einen neuen Fall. Fluide Intelligenz (Gf) -- Induktion
- Zahlenreihen — Erkennen numerischer Bildungsgesetze und quantitatives Schlussfolgern. Fluide Intelligenz (Gf) -- quantitatives Schließen
Visuell-räumliche Verarbeitung
VRErfasst die Fähigkeit, visuelle Information im Kopf zu erzeugen, zu halten und zu verändern — Objekte zu drehen, Faltungen vorwegzunehmen, räumliche Beziehungen zu beurteilen.
- Mentale Rotation — Gedankliches Drehen zweidimensionaler Figuren im Raum. Visuelle Verarbeitung (Gv) -- Visualisierung
- Papierfalten — Vorstellung räumlicher Veränderungen über mehrere Schritte. Visuelle Verarbeitung (Gv) -- räumliche Relationen
Arbeitsgedächtnis
AGErfasst, wie viel Information Sie gleichzeitig im Bewusstsein halten und dabei bearbeiten können. Das Arbeitsgedächtnis begrenzt, wie komplex ein Gedankengang sein darf, bevor er aussetzt.
- Zahlenspanne — Kurzfristiges Behalten und Wiedergeben von Information, vorwärts und rückwärts. Kurzzeitgedächtnis (Gwm) -- Gedächtnisspanne
- Buchstaben-Zahlen-Folgen — Gleichzeitiges Behalten und Umordnen von Information im Arbeitsgedächtnis. Kurzzeitgedächtnis (Gwm) -- Arbeitsgedächtniskapazität
Verarbeitungsgeschwindigkeit
VGErfasst das Tempo, in dem einfache visuelle Information korrekt verarbeitet wird. Geschwindigkeit ist keine Denkgüte, wirkt aber als Durchsatzgrenze: was langsamer verarbeitet wird, belastet das Arbeitsgedächtnis länger.
- Symbolsuche — Schnelles visuelles Vergleichen und Entscheiden unter Zeitdruck. Verarbeitungsgeschwindigkeit (Gs) -- Wahrnehmungsgeschwindigkeit
- Zahlen-Symbol-Zuordnung — Tempo beim Umsetzen einer erlernten Zuordnungsregel. Verarbeitungsgeschwindigkeit (Gs) -- Schreib-/Umsetzungstempo
Aufbau des Verfahrens
Zehn Subtests in fester Reihenfolge, Gesamtdauer etwa 58 Minuten einschließlich Instruktionen.
| Nr. | Subtest | Bereich | Aufgaben | Zeit | Auswertung |
|---|---|---|---|---|---|
| 01 | Figurale Matrizen | FS | 28 | frei | IRT (3PL) |
| 02 | Wortschatz | SV | 30 | frei | IRT (3PL) |
| 03 | Zahlenspanne | AG | adaptiv | frei | Rohwert |
| 04 | Mentale Rotation | VR | 32 | frei | IRT (3PL) |
| 05 | Zahlenreihen | FS | 28 | frei | IRT (3PL) |
| 06 | Verbale Analogien | SV | 30 | frei | IRT (3PL) |
| 07 | Symbolsuche | VG | adaptiv | 2 Min. fest | Rohwert |
| 08 | Papierfalten | VR | 32 | frei | IRT (3PL) |
| 09 | Buchstaben-Zahlen-Folgen | AG | adaptiv | frei | Rohwert |
| 10 | Zahlen-Symbol-Zuordnung | VG | adaptiv | 2 Min. fest | Rohwert |
Die Reihenfolge folgt zwei Regeln: Subtests desselben Bereichs stehen nie unmittelbar nebeneinander, damit Ermüdung nicht einseitig auf einen Bereich wirkt; und das Verfahren beginnt figural, weil eine sprachliche Aufgabe am Anfang Personen mit sprachlicher Unsicherheit überproportional verunsichert.
Auswertungsmodell
Von der Antwort zum Indexwert, in vier Schritten.
- 01
Fähigkeitsschätzung je Subtest
Die sechs Niveau-Subtests werden über ein dreiparametrisches logistisches Item-Response-Modell ausgewertet. Jede Aufgabe besitzt Kennwerte für Schwierigkeit, Trennschärfe und Rateeinfluss; der Rateparameter entspricht dem Kehrwert der Optionszahl. Geschätzt wird der Erwartungswert der Posteriorverteilung (EAP) über ein Quadraturgitter mit 81 Stützstellen und einer Standardnormalverteilung als Vorverteilung. Gegenüber der Maximum-Likelihood-Schätzung hat das zwei Vorteile: Die Schätzung bleibt bei durchgängig richtigen oder falschen Antworten endlich, und die Streuung der Posteriorverteilung liefert den Standardmessfehler unmittelbar mit, statt ihn aus einer angenommenen Reliabilität ableiten zu müssen.
- 02
Rohwert-Transformation bei Spannen und Tempo
Bei den beiden Gedächtnisspannen und den beiden Tempo-Subtests ist die Schwierigkeit keine Eigenschaft der einzelnen Aufgabe, sondern der Folgenlänge beziehungsweise der Zeitvorgabe. Diese vier Subtests werden daher über eine deklarierte lineare Transformation des Rohwerts auf dieselbe Metrik gebracht. Bei der Symbolsuche werden falsche von richtigen Antworten abgezogen, weil bei einer Ja/Nein-Aufgabe schnelles Raten sonst belohnt würde.
- 03
Skalenwerte
Jede Fähigkeitsschätzung wird in einen Skalenwert mit Mittelwert 10 und Streuung 3 überführt und auf den Bereich 1 bis 19 begrenzt — die in den Wechsler-Verfahren übliche Metrik.
- 04
Index- und Gesamtwerte
Ein Index ist die Summe der Skalenwerte seiner beiden Subtests, standardisiert an der modellierten Verteilung dieser Summe. Deren Streuung folgt aus einer deklarierten Korrelationsmatrix; die Reliabilität der Summe aus der Formel von Mosier für zusammengesetzte Werte. Index- und Gesamtwerte haben Mittelwert 100 und Streuung 15. Jeder Wert wird mit seinem 95-Prozent-Vertrauensbereich ausgewiesen, berechnet aus dem Standardmessfehler.
Einstufungsbereiche
| Bereich | Bezeichnung | Anteil der Bevölkerung |
|---|---|---|
| 130 und mehr | Weit überdurchschnittlich | 2,2 % |
| 120–129 | Überdurchschnittlich | 6,7 % |
| 110–119 | Oberer Durchschnittsbereich | 16,1 % |
| 90–109 | Durchschnittsbereich | 50,0 % |
| 80–89 | Unterer Durchschnittsbereich | 16,1 % |
| 70–79 | Unterdurchschnittlich | 6,7 % |
| unter 70 | Weit unterdurchschnittlich | 2,2 % |
Herkunft der Normwerte
Der Punkt, an dem sich dieses Verfahren von einem klinischen Test unterscheidet.
Angenommene Messgenauigkeit je Subtest
| Subtest | Bereich | Reliabilität | Auswertung |
|---|---|---|---|
| Figurale Matrizen | FS | 0,84 | IRT, laufend geschätzt |
| Wortschatz | SV | 0,82 | IRT, laufend geschätzt |
| Zahlenspanne | AG | 0,84 | Rohwert-Transformation |
| Mentale Rotation | VR | 0,78 | IRT, laufend geschätzt |
| Zahlenreihen | FS | 0,80 | IRT, laufend geschätzt |
| Verbale Analogien | SV | 0,80 | IRT, laufend geschätzt |
| Symbolsuche | VG | 0,80 | Rohwert-Transformation |
| Papierfalten | VR | 0,76 | IRT, laufend geschätzt |
| Buchstaben-Zahlen-Folgen | AG | 0,82 | Rohwert-Transformation |
| Zahlen-Symbol-Zuordnung | VG | 0,82 | Rohwert-Transformation |
Bei den IRT-Subtests ist der angegebene Wert ein Richtwert; im Befund erscheint stattdessen die in Ihrer Durchführung tatsächlich erreichte Messgenauigkeit. Sie hängt davon ab, wie gut die Aufgabenschwierigkeiten zu Ihrem Leistungsniveau passen, und ist am Rand der Verteilung geringer als in der Mitte. Die Reliabilität der Indexwerte liegt durch die Zusammenfassung zweier Subtests höher als die der Einzelwerte, die des Gesamtwerts höher als die der Indizes.
Prüfung der Durchführungsgüte
Vier Auffälligkeiten werden protokolliert und im Befund ausgewiesen.
Schnellraten
Antworten unter zwei Sekunden bei Niveauaufgaben. In dieser Zeit lässt sich eine Aufgabe nicht erfassen; solche Antworten sind Rateverhalten und senken das Ergebnis.
Unterbrechungen
Wechsel in ein anderes Fenster während der Bearbeitung, mit Dauer. Bei den Tempo-Subtests verfälscht das das Ergebnis unmittelbar.
Auslassungen
Unbeantwortete Aufgaben. Sie werden wie falsche gewertet.
Bearbeitungszeiten
Der Median über alle Niveauaufgaben als Anhaltspunkt für die Sorgfalt der Bearbeitung.
Keiner dieser Befunde macht ein Ergebnis automatisch ungültig. Sie bestimmen, mit welcher Sicherheit es gelesen werden darf, und werden im Befund als eigener Abschnitt ausgewiesen statt im Kleingedruckten zu verschwinden.
Grenzen
Vollständig und ohne Beschönigung.
- Keine Diagnostik. Hochbegabung, Intelligenzminderung, Lernstörungen, ADHS und demenzielle Prozesse lassen sich hiermit weder feststellen noch ausschließen.
- Keine Normierungsstichprobe. Siehe Abschnitt 04. Die absolute Höhe der Werte ist mit Vorbehalt zu lesen.
- Keine Alters- oder Bildungsnormen. Klinische Verfahren normieren altersgetrennt, weil fluide Fähigkeiten ab etwa dem dritten Lebensjahrzehnt langsam abnehmen, während kristalline bis ins höhere Alter zunehmen. Dieses Verfahren verwendet eine einzige Bezugsnorm und unterschätzt daher ältere, überschätzt tendenziell jüngere Erwachsene.
- Sprachabhängigkeit. Wortschatz und verbale Analogien setzen deutschen Wortschatz voraus und benachteiligen Personen ohne Deutsch als Erstsprache systematisch.
- Unbeaufsichtigte Durchführung. Ob Hilfsmittel verwendet wurden, ob jemand mitgeholfen hat oder ob die Person konzentriert war, lässt sich nicht sicher feststellen — nur teilweise über die Güteprüfung.
- Übungseffekt. Eine Wiederholung fällt in der Regel besser aus, weil die Aufgabenarten bekannt sind. Das ist kein Fähigkeitszuwachs.
- Keine Messung von Persönlichkeit, Kreativität oder praktischer Klugheit. Erfasst wird ein ausgewählter Teil kognitiver Leistungsfähigkeit, nicht die Fähigkeit eines Menschen insgesamt.